Raabe Imker AG

Eine Schülerfirma - Wozu?

Seit Jahren leidet die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland unter der Last der Arbeitslosigkeit mit all ihren Folgewirkungen. In jeder Krisensituation wird dabei deutlich, dass die Großindustrie Arbeitsplätze generell abbaut, Arbeitsintensiv sind zuerst die klein- und mittelskandischen Betriebe, die auch in Krisenzeiten eher ihre Arbeitskräfte halten.


Das haben inzwischen auch die verschiedensten Institutionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erkannt, die zB die Förderung von Existenz-Gründungen auf ihre Fahnen geschrieben haben. Die Gründung neuer Betriebe setzt aber neben dem Erkennen und Nutzen von Marktnischen auch ausreichende betriebswirtschaftliche Kenntnisse und den Mut zur Selbständigkeit voraus Das sind unternehmerische Tugenden, die den Menschen nicht in die Wiege gelegt werden, sondern an die sie herangeführt werden müssen und die erlernbar sind.

 

Warum sind Schülerfirmen pädagogisch sinnvoll?

Wir holen ein Stück Wirklichkeit in die Schule. Hier agieren Schülerinnen und Schüler mit realen Produkten und Dienstleistungen am realen Markt und machen Umsatz und Gewinn. Die Erfahrung ist, dass dies einen unglaublichen Motivationsschub in der Schülerschaft wirkt. Sie fühlen sich ernst genommen, sie können tatsächlich etwas bewegen, sie sind die Aktiven und nicht die Zuhörenden und sie stehen gleichberechtigt neben den Lehrerinnen und Lehrern. Der Chef ist nämlich in der Regel eine Schülerin oder ein Schüler, Lehrerinnen und Lehrer treten schnell in die Rolle der Moderatoren und Unterstützer zurück. Die Motivation ist so stark, dass in der Regel selbst in der Freizeit und in den Ferien bei Bedarf in den Schülerfirmen freiwillig gearbeitet wird.

Wer in einer Schülerfirma immer wieder unternehmerische Entscheidungen getroffen hat und den Alltag in einer Firma erlebt hat - und das erfolgreich -, der verliert die Angst vor Selbständigkeit. So kann die Grundlage für Unternehmergeist geschaffen werden und die Selbständigkeit sich zu einer Berufsperspektive entwickeln.

Ökologischer Aspekt

  • Produktion von Honig und Wachs im Einklang mit der Natur
  • Biologischer Kreislauf- vorgegeben durch die Lebensweise der Bienen
  • Vermehrung und Erhaltung seltener Pflanzen

Ökonomische Aspekt

Betriebsweise unter nahezu realen Bedingungen

  • Personalmanagement mit laufenden Einstellungen und Kündigungen
  • Zukunftsorientiertes Wirtschaften (z.B. Investitionen, Löhne, Dividenden auszahlen)

Sozialer/ Kultureller Aspekt

Förderung von:

  • eigenständigem wirtschaftlichen und sozialem Denken
  • Selbstorganisation
  • Erkennen seiner individuellen Stärken
  • Umgang mit neuen Medien
  • grundlegendes kaufmännisches Wissen

Aktivitäten der Schülerfirma

  • Honigschleudern im Sommer
  • Honigverkauf (Schule, Weihnachtsmarkt)
  • Wachs ausschmelzen im Winter
  • Kerzendrehen in der Vorweihnachtszeit
  • Regelmäßige Kontrollen der Bienenvölker
  • Beuten, Rähmchen usw. bauen für die kommende Saison
  • Pflege des gepachteten Grundstückes


Entstehung

Berufsorientierung einmal ganz anders!

Schülerinnen und Schüler hämmern, schrauben, kalkulieren und zeichnen in der BBS Holzminden für ihr neues Imkerhaus! Mit sehr viel Enthusiasmus und großer Energie der Schülerinnen, Schüler und des Lehrers Andreas Müller  startete das Projekt „Imkerhaus“ der HRS Eschershausen in Zusammenarbeit mit der Georg –von- Langen –Schule, Berufsbildende Schulen Holzminden, nach den Sommerferien.

Nachdem das Bauamt der Samtgemeinde Eschershausen /Stadtoldendorf „Grünes Licht“ für die Erstellung des Imkerhauses erteilt hatte, konnte der „Rückbau“ des maroden und baufälligen Imkerhauses vorgenommen werden.  Dafür erklärten Guido Rothmann und Daniel Schum, Fachpraxislehrer der BBS Holzminden, den Schülerinnen und Schülern  alle sicherheitsrelevanten Aspekte. Die Schülerinnen und Schüler deckten das Dach ab, demontierten Wände, Fenster und Türen. Danach wurden alle Materialien fachmännisch getrennt. Anschließend holte die Samtgemeinde mit einem großen LKW die Materialien ab, um sie einer Weiterverarbeitung zuzuführen. Entsorgungskosten konnten auf diesem Wege minimiert werden.

Der zweite Teil des „Rückbaus“ bestand darin, die vorhandene Betonplatte zu glätten. Hierzu wurde ein Betonkranz beseitigt, um eine Vergrößerung der Grundfläche zu ermöglichen. Im Frühjahr dieses Jahres (also nach der Frostperiode) soll die Betonplatte vergrößert werden. Dabei werden frostfeste Ringfundamente auf die vorhandene Betonplatte gegossen. Dazu sind Schalungsarbeiten notwendig, die in der BBS unter Leitung des Fachpraxislehrers Andreas Schmidt vorbereitet werden.

Seit Oktober 2015 arbeiten die Schülerinnen und Schüler jeden Mittwoch in der Berufsschule an dem Imkerhaus.  Dabei wurde aber nicht nur gesägt, gehämmert und geschraubt, sondern auch sehr sorgfältig geplant.  Schülerinnen und Schüler entwarfen  Zeichnungen der Wand-  und Dachkonstruktion. Die für den Bau nötigen Materialien und Mengen wurden ermittelt  und Kostenvoranschläge eingeholt.  

Die Schülerinnen und Schüler sind nun dabei, die gelieferten Materialien einzulagern und mit dem Bau der Wand- und Dachelemente zu beginnen. Denn das komplette Haus soll, nach entsprechender Vorbereitung in der BBS,  in großen Wandelementen auf einem LKW (also wie ein richtiges Fertighaus) angeliefert werden. In Eschershausen wird es dann endmontiert. Große Unterstützung bekommt die HRS Eschershausen dabei von der Fr. Müller Bedachung GmbH, die den Transport übernehmen wird.

Möglich wurde die Umsetzung eines solch großen Projektes erst durch den Gewinn des Innovationspreises der „Starken Schule“  und der ausgesprochen guten Zusammenarbeit mit der BBS Holzminden. Die HRS Eschershausen bedankt sich bei der „Region des Lernens“ und beim Förderverein der HRS für ihre finanzielle Unterstützung, aber auch bei der Samtgemeinde Eschershausen/Stadtoldendorf für ihre schnelle und unbürokratische Hilfe.  In Eschershausen ansässige Firmen haben bereits ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt.

Während der Bauarbeiten hat die HRS Eschershausen mit der BBS Holzminden kooperiert, wie es schon lange Jahre der Fall ist. Die Planung und der Bau des Hauses begannen im Jahr 2015.Am 07.09.2016 wurde dann das Richtfest gefeiert. Alle Schülerinnen und Schüler, die am Bau des Hauses beteiligt waren, sowie die Mitarbeiter der Schülerfirma und die beteiligten Lehrkräfte und Spender, waren dabei. Das Ganze fand an der Streuobstwiese und Bienenweide statt.

Als erstes begrüßte der Schulleiter Carsten Brand alle Anwesenden und informierte sie über die Entstehung des Hauses. Dabei erwähnte er auch die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs, die das Imkerhaus im letzten Jahr angefangen haben. Außerdem wünschte er den Schülerinnen und Schülern des 9. Jahrgangs ein gutes Gelingen, sowie eine ereignisreiche Weiterführung. Jetzt sollten noch die Dachdeckarbeiten, Wandverkleidung und Imkerausbau ausgeführt werden. Die Raabe Imker GmbE bekam vom Handwerkerverein Holzminden eine Dachziegelspende, die von der Firma Jacobi-Ziegel sind, die im vierstelligen Eurobereich war. Außerdem gab es auch Spenden von „Region des Lernens“ und dem Förderverein der HRS Eschershausen. Später bedankte sich Schulleiter Carsten Brand bei mehreren Gästen aus unterschiedlichen Gruppen, die zur Verwirklichung dieses Projekts beigetragen haben. Auch bedankte er sich bei den drei Lehrern der BBS, sowie bei Guido Rothmann, Andreas Schmidt und Daniel Schum, denen ein außergewöhnlich hoher Einsatz unentbehrlich für dieses Projekt sei.